Iran-Krieg Tagesbericht: Tag 9 — Sonntag, 08. März 2026
Führungswechsel in Teheran: Mojtaba Chamenei wird neuer Oberster Führer
Der bedeutendste politische Einschnitt des Tages vollzog sich in Teheran: Der 88-köpfige Expertenrat ernannte am Sonntag Mojtaba Hosseini Chamenei (56) zum dritten Obersten Führer der Islamischen Republik Iran. Er tritt damit die Nachfolge seines Vaters, Ajatollah Ali Chamenei, an, der in der Nacht zum 28. Februar bei den ersten US-israelischen Angriffen auf den Iran getötet worden war. Die Ernennung erfolgte nach achttägiger Beratung in einer — wie der Rat es formulierte — „entscheidenden und umfassenden Abstimmung“.
Mojtaba Chamenei gilt wie sein Vater als konservativer Hardliner und enger Vertrauter der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC). Analysten bewerten ihn als noch stärker auf die Entwicklung eines iranischen Atomprogramms ausgerichtet als seinen Vater. Die Revolutionsgarden sowie Irans politische Führung schworen dem neuen Obersten Führer umgehend die Treue. Israel drohte dem Nachfolger unmittelbar nach seiner Ernennung mit weiteren Konsequenzen, sollte der Iran seine militärischen Operationen fortsetzen.
Militärlage: Angriffe beiderseits auf hohem Niveau
Auch am neunten Kriegstag setzten die USA und Israel ihre Luftangriffe auf militärische Ziele im Iran fort. Die israelischen Streitkräfte meldeten, das Hauptquartier der Luftwaffe der Revolutionsgarden in Teheran zerstört zu haben — jenes Zentrum, von dem aus Raketen- und Drohnenangriffe koordiniert worden sein sollen. Allein über das vergangene Wochenende (6.–7. März) hatte die israelische Luftwaffe nach eigenen Angaben über 400 Ziele im Iran angegriffen und rund 1.465 Munitionseinheiten eingesetzt, darunter Abschussrampen für ballistische Raketen und Rüstungsproduktionsstätten. Das US-Zentralkommando (CENTCOM) bezifferte die Gesamtzahl der in der ersten Kriegswoche angegriffenen iranischen Ziele auf über 3.000; 43 iranische Schiffe sollen dabei zerstört oder beschädigt worden sein.
Der Iran antwortete seinerseits: Die Revolutionsgarden feuerten erneut mehrere Salven ballistischer Raketen auf Israel ab und bezeichneten den Angriff als „27. Welle der Operation Wahres Versprechen“. Im Süden Israels, unter anderem in der Negev-Wüste, heulten Sirenen. Erstmals griffen US-israelische Kräfte am Wochenende auch Öldepots und Raffinerien im Iran direkt an — eine deutliche Eskalation gegenüber den ersten Kriegstagen.
Die US-Marine baute ihre Präsenz in der Region weiter aus. Nunmehr operieren drei amerikanische Trägerkampfgruppen gleichzeitig im Nahen Osten: die USS Abraham Lincoln im Persischen Golf sowie die USS Gerald R. Ford im Roten Meer; ein dritter Trägerverband befindet sich nach Angaben des Pentagons auf dem Weg in die Region. GPS-Störungen beeinträchtigten am 7. März über 1.650 Schiffe im Persischen Golf — ein Anstieg von 55 Prozent gegenüber der Vorwoche.
Regionale Eskalation: Libanon, Jemen und die Golfstaaten
Der Krieg weitet sich geografisch aus. Die Hisbollah, die sich seit dem Waffenstillstand Ende 2024 zurückgehalten hatte, eröffnete nach der Tötung Ali Chameneis wieder das Feuer auf Israel — der erste Raketenangriff seit Monaten. Israel reagierte mit dem Einsatz von Bodentruppen im Südlibanon, der ersten Bodenoffensive seit Ende 2024. Nach Angaben der libanesischen Regierung wurden bereits über 517.000 Menschen aus ihren Häusern vertrieben.
Die Huthis im Jemen, die in den ersten Kriegstagen weitgehend passiv blieben, haben nach eigenen Angaben ihre Angriffe auf Schiffe im Roten Meer wieder aufgenommen. Auch Ziele in den Golfstaaten gerieten ins Visier: Iranische Drohnen und Raketen attackierten Flughäfen in Abu Dhabi und Dubai sowie Wohngebäude und Hotels. Die VAE meldeten die Abfangung von 16 auf ihr Territorium abgefeuerten ballistischen Raketen. Zudem traf eine iranische Rakete eine große Raffinerie in Saudi-Arabien, und ein Angriff auf eine Flüssigerdgas-Anlage in Katar legte rund 20 Prozent der weltweiten LNG-Versorgung vorübergehend lahm.
Humanitäre Lage: Wachsende Opferzahlen
Das iranische Gesundheitsministerium meldete, seit Kriegsbeginn seien über 1.300 Menschen im Iran getötet worden, darunter rund 200 Kinder unter zwölf Jahren und etwa 200 Frauen. Über 10.000 Zivilpersonen wurden nach Angaben der iranischen Behörden verletzt. Neun Krankenhäuser sollen außer Betrieb gesetzt worden sein, 14 Krankenwagen wurden demnach zerstört. Das Österreichische Rote Kreuz und Amnesty International appellierten eindringlich an alle Konfliktparteien, die Zivilbevölkerung zu schützen und das humanitäre Völkerrecht einzuhalten.
Auf amerikanischer Seite gab das Pentagon den Tod eines achten US-Soldaten bekannt. Die Särge von sechs der gefallenen US-Soldaten wurden am Sonntag auf einem Luftwaffenstützpunkt in den USA eingeholt; Präsident Trump leitete die Zeremonie als Oberbefehlshaber persönlich und bezeichnete den Tag als „sehr traurig für Amerika“.
Wirtschaft und Energie: Ölpreis über 100 Dollar
Die Kriegseskalation schlug sich deutlich auf den globalen Energiemärkten nieder. Der Ölpreis der Sorte Brent überschritt am Sonntag erstmals seit der russischen Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 wieder die Marke von 100 US-Dollar je Barrel und kletterte zeitweise auf über 108 Dollar. WTI (West Texas Intermediate) lag bei rund 101 Dollar. Seit Kriegsbeginn hat der Ölpreis um mehr als 25 Prozent zugelegt.
Hauptursache ist die de-facto-Sperrung der Straße von Hormus für Schiffe aus den USA, Israel und deren westlichen Verbündeten — eine Seeroute, über die rund 20 Prozent des weltweiten Ölhandels abgewickelt werden. Der US-Benzinpreis stieg auf einen nationalen Durchschnitt von 3,41 Dollar je Gallone (+43 Cent innerhalb einer Woche). In Europa verdoppelten sich die Dieselpreise; Kerosin verteuerte sich in Asien um nahezu 200 Prozent. Europäisches Erdgas (TTF) kostete am 6. März 52,81 Euro je Megawattstunde — rund 50 Prozent mehr als noch Ende Februar.
Internationale Reaktionen
Die diplomatischen Reaktionen auf die weitere Eskalation blieben weitgehend verhalten. China, traditionell wichtigster Handelspartner des Iran, forderte über seinen Chefdiplomat erneut ein Ende der Kampfhandlungen und warnte vor einer unkontrollierbaren Ausweitung des Krieges. Russlands Präsident Putin verurteilte die Tötung Ali Chameneis scharf als „zynische Missachtung des Völkerrechts“; westlichen Medienberichten zufolge soll Moskau dem Iran zudem geheimdienstliche Informationen inklusive Positionsdaten zu US-Militäreinrichtungen übermittelt haben.
Die Europäische Union hielt sich mit direkten Stellungnahmen zurück, sieht sich aber mit massiven wirtschaftlichen Folgewirkungen konfrontiert. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte sich bereits Anfang März mit Präsident Trump im Weißen Haus getroffen; Trump soll dabei auf Forderungen nach einer deutschen militärischen Beteiligung verzichtet haben. Russland lenkte gleichzeitig eigene Gaslieferungen verstärkt nach Asien um, was den Preisdruck auf Europa weiter erhöht.
Einschätzung
Der neunte Kriegstag markiert in mehrfacher Hinsicht eine Zäsur: Mit der Ernennung Mojtaba Chameneis hat der Iran trotz anhaltender Luftangriffe eine formale Führungskontinuität hergestellt — ein klares Signal, dass Teheran nicht kapitulieren will. Der neue Oberste Führer steht nach Einschätzung von Experten sogar noch stärker für eine harte Linie als sein Vater. Die geografische Ausweitung des Konflikts auf den Libanon, die Golfstaaten und indirekt auf den Jemen erhöht das Risiko einer weiteren unkontrollierten Eskalation erheblich. Der Ölpreisschock über 100 Dollar signalisiert, dass die wirtschaftlichen Kollateralschäden für die Weltwirtschaft nun eine neue Qualität erreicht haben. Ob und wie die internationale Diplomatie — insbesondere China als wichtigstem verbliebenem Kanal zu Teheran — in den nächsten Tagen eine Wirkung entfalten kann, bleibt die zentrale offene Frage.
Quellen
- ZDF heute – Iran-Krieg Liveblog
- Al Jazeera – Day 9 of US-Israel attacks
- Al Jazeera – Iran Live Updates 08.03.2026
- CNN – Iran War Live Updates
- CBS News – 8th US service member, Mojtaba named supreme leader
- t-online – Iran-Krieg aktuell
- Jüdische Allgemeine – Neue Welle Luftschläge, dritter Träger
- CNN Business – Ölpreis über 100 Dollar
- Al Jazeera – Energiemärkte und Ölpreis
- ORF – Humanitäre Lage „fatal“
- Amnesty International – Appell Zivilbevölkerung
- Stephan Brinkmann – Expertenrat ernennt Mojtaba Chamenei
- SRF – Rolle der Huthis im Krieg
- Alma Research Center – Daily Report March 8, 2026







