US-Aufmarsch gegen Iran: Wie real ein Militärschlag jetzt wirklich ist – eine Analyse
Ein AMEPRES-Lizenzartikel von Jürgen Dirrigl
Die aktuelle Zuspitzung zwischen den USA und dem Iran nahm ihren Ausgang nicht in grundsätzlichen militärischen Planungen oder neuen Entwicklungen im Atomstreit, sondern in einer schweren innenpolitischen Krise im Iran selbst. Ende Dezember 2025 begannen zunächst wirtschaftlich motivierte Proteste, die sich innerhalb weniger Tage zu landesweiten Demonstrationen gegen das herrschende System ausweiteten. Besonders in Teheran, aber auch in Städten wie Karaj, Isfahan, Kermanshah und Mashhad gingen tausende Menschen auf die Straße. Sicherheitskräfte und Einheiten der Revolutionsgarden reagierten mit massiver Gewalt. Nach übereinstimmenden Einschätzungen internationaler Beobachter und Menschenrechtsorganisationen wurden bei den Niederschlagungen der Proteste im Januar 2026 mehrere tausend Menschen getötet; Schätzungen bewegen sich insgesamt in einer Größenordnung von über 5.000 Todesopfern, hinzu kommen zehntausende Festnahmen im gesamten Land.
Die Situation verschärfte sich weiter, als iranische Gerichte im Anschluss an die Proteste erste Todesurteile gegen Demonstrationsteilnehmer verhängten. Genau an diesem Punkt reagierte die Regierung von Präsident Donald Trump öffentlich und ungewöhnlich deutlich. Washington erklärte Anfang 2026, ein erneutes gewaltsames Vorgehen gegen Demonstranten oder deren Hinrichtung stelle eine politische rote Linie dar, deren Überschreitung Konsequenzen nach sich ziehen könne. Damit verlagerte sich der Konflikt erstmals von der bekannten Auseinandersetzung um das iranische Atomprogramm hin zu einer direkten Konfrontation über das Vorgehen des Regimes gegen die eigene Bevölkerung.
Als sich im Februar während der traditionellen Trauerperioden für die Getöteten erneut größere Menschenmengen versammelten und Sicherheitskräfte wieder gegen Demonstrierende vorgingen, wandelte sich die amerikanische Warnung zunehmend in militärische Vorbereitung. Der darauf folgende Aufmarsch amerikanischer Luft- und Seestreitkräfte im Persischen Golf erscheint daher weniger als plötzliche Eskalation, sondern als strategische Absicherung einer zuvor ausgesprochenen Drohung gegenüber dem Mullah-Regime — mit dem Ziel, politischen Druck sichtbar in militärische Handlungsfähigkeit zu übersetzen.
Der amerikanische Aufmarsch
Innerhalb weniger Wochen entstand rund um den Persischen Golf eine militärische Konzentration, die in ihrem Umfang weltweit Staunen auslöste. Nach militärischen Beobachtungen wurden mehr als 250 moderne Kampfflugzeuge sowie rund 150 Unterstützungsflugzeuge in den erweiterten Einsatzraum verlegt oder entlang möglicher Operationsrouten positioniert.
Zum Einsatzspektrum gehören F-16 Fighting Falcon, darunter auch Maschinen in der sogenannten Wild-Weasel-Konfiguration, deren Aufgabe ausschließlich in der Bekämpfung gegnerischer Flugabwehrsysteme besteht. Ergänzt werden sie durch F-22 Raptor, die als modernste Luftüberlegenheitsjäger der Welt gelten und dafür eingesetzt würden, jegliche iranische Luftaktivität bereits im Ansatz zu unterbinden.
Hinzu kommen F-35A Lightning II, deren Tarnkappeneigenschaften Präzisionsangriffe tief im iranischen Luftraum ermöglichen, sowie F-15E Strike Eagle, schwere Mehrzweckkampfflugzeuge mit hoher Reichweite und großer Waffenlast. Zusätzlich wurden A-10C Thunderbolt II verlegt, deren besondere Stärke in der langanhaltenden Bekämpfung langsamer Ziele liegt — etwa Drohnenverbände oder Schnellboote der iranischen Revolutionsgarden in der Straße von Hormus.
Ein entscheidender Bestandteil dieses Aufmarsches sind außerdem Flugzeuge für elektronische Kriegsführung. EA-18G Growler befinden sich zusätzlich in der Region sowie an Bord amerikanischer Flugzeugträger. Ihre Aufgabe wäre es, iranische Radarstellungen zu stören oder vollständig auszuschalten.
Damit entsteht ein Luftkampfsystem, das nicht nur angreifen, sondern gegnerische Verteidigungssysteme systematisch blind machen kann.

Die fliegenden Kommandozentralen: Warum Information den Krieg entscheidet
Moderne Luftkriege werden nicht durch einzelne Kampfflugzeuge entschieden, sondern durch Informationsüberlegenheit. Genau deshalb fällt die massive Verlegung von Aufklärungs- und Führungsplattformen besonders ins Gewicht.
E-2D Hawkeye operieren von den Flugzeugträgern aus als luftgestützte Frühwarnsysteme. Zusätzlich wurden E-3G Sentry AWACS in den Nahen Osten verlegt, die als fliegende Gefechtsstände fungieren und sämtliche Luftbewegungen koordinieren können. Ergänzt werden sie durch E-11A BACN, deren Aufgabe darin besteht, Kommunikationsnetzwerke zwischen Flugzeugen, Drohnen und Bodeneinheiten aufrechtzuerhalten.
Zur strategischen Aufklärung befinden sich zudem MQ-4C Triton-Drohnen, P-8 Poseidon-Seeaufklärer, eine RC-135V Rivet Joint zur elektronischen Signalaufklärung sowie eine U-2S Dragon Lady im Einsatzraum.
Zusammen ermöglichen diese Systeme eine nahezu permanente Überwachung iranischer Luft- und Seeaktivitäten.
Tankflugzeuge und Bomber: Das eigentliche Signal einer langfristigen Kampagne
Besonders aufschlussreich ist die Vorpositionierung von rund 100 Tankflugzeugen entlang europäischer und nahöstlicher Flugrouten. Diese Maschinen fungieren als fliegende Tankstellen und erlauben strategischen Bombern Einsätze über interkontinentale Entfernungen hinweg.
Die ungewöhnlich hohe Zahl deutet darauf hin, dass ein möglicher Angriff nicht allein durch Tarnkappenbomber erfolgen würde. Vielmehr gilt ein Einsatz von B-2 Spirit, B-52 Stratofortress und möglicherweise B-1B Lancer als wahrscheinlich, die direkt aus den Vereinigten Staaten operieren könnten.
Zusätzliche C-130-Varianten stehen für Luftbetankung sowie Combat Search and Rescue bereit, um abgeschossene Piloten aus feindlichem Gebiet bergen zu können.
Die Schlüsselrolle der Flugzeugträger – und das Timing des Ultimatums
Im Zentrum der militärischen Planung stehen zwei amerikanische Flugzeugträgerkampfgruppen.
Eine Gruppe operiert bereits im Raum des Golfs von Oman und stellt eine unmittelbare Angriffsplattform dar. Die zweite Kampfgruppe um die USS Gerald R. Ford befindet sich auf dem Weg in eine operative Position. Von der Küste Israels aus könnte sie zwar eingreifen, jedoch nur mit erhöhtem logistischen Aufwand aufgrund größerer Flugentfernungen.
Militärisch sinnvoller wäre eine Verlegung in den Indischen Ozean oder den Golf von Oman. Genau diese Bewegung würde etwa eine Woche dauern — nahezu identisch mit der politischen Frist des amerikanischen Ultimatums.
Die zeitliche Übereinstimmung legt nahe, dass politische und militärische Planung eng miteinander verzahnt sind. Mit anderen Worten: Das Ultimatum endet vermutlich zu dem Zeitpunkt, an dem beide Flugzeugträger vollständig einsatzbereit wären.
Wie ein amerikanischer Angriff vermutlich beginnen würde
Ein Angriff gegen den Iran würde höchstwahrscheinlich nicht mit Bombardierungen auf Infrastruktur starten, sondern mit der systematischen Ausschaltung der iranischen Verteidigungsfähigkeit. Militärisch wird dieser Schritt als SEAD (Suppression of Enemy Air Defenses – Unterdrückung gegnerischer Luftverteidigung) und anschließend DEAD (Destruction of Enemy Air Defenses – Zerstörung gegnerischer Luftverteidigung) bezeichnet – also Unterdrückung und Zerstörung feindlicher Flugabwehr.
Radarstellungen, Kommandozentren und Flugplätze wären dabei primäre Ziele. Ziel wäre nicht die vollständige Vernichtung jedes Systems, sondern die Herstellung amerikanischer Luftüberlegenheit.
Sobald dieser Zustand erreicht wäre, könnten auch Flugzeuge der vierten Generation wie F-15, F-16 oder F/A-18 Super Hornet dauerhaft über dem Südiran operieren. Parallel würde eine intensive Jagd auf mobile Abschussrampen für ballistische Raketen und Angriffsdrohnen beginnen, um Gegenangriffe auf Israel oder amerikanische Basen zu verhindern.
Sollte Teheran seine aktuellen militärischen Drohkulissen weiter ausbauen, besteht zudem die reale Möglichkeit, dass der Iran versucht, den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus erheblich einzuschränken oder zeitweise zu blockieren. Eine vollständige Schließung hat bislang nicht stattgefunden, doch wiederholte militärische Aktivitäten und Übungen zeigen, dass diese Option als strategisches Druckmittel weiterhin im Raum steht.
Enthauptungsschläge und Infrastrukturkrieg
Militärische Analysen gehen davon aus, dass sogenannte Enthauptungsschläge gegen militärische Führungsstrukturen wahrscheinlich wären, um koordinierte Gegenangriffe zu erschweren. Ob dabei auch politische Führungspersonen wie Ali Khamenei Ziel werden könnten, bleibt Spekulation.
Nach Erlangung der Luftherrschaft würde sich der Schwerpunkt zunehmend auf strategische Infrastruktur verlagern. Nuklearanlagen, Raketenproduktionsstätten, militärische Fabriken sowie Teile des industriellen Netzwerks könnten wiederholt angegriffen werden, um Irans militärische Fähigkeiten langfristig zurückzuwerfen.
Kann der Iran den Angriff stoppen?
Kurz gesagt: stoppen kann Teheran eine amerikanische Luftkampagne sehr wahrscheinlich nicht – aber man kann sie teuer machen. Das wichtigste iranische Instrument ist nicht die Luftwaffe, sondern ein Mix aus Raketen, Drohnen und asymmetrischer Seekriegsführung, der darauf zielt, Zeit zu gewinnen, die Region zu destabilisieren und den politischen Preis in Washington nach oben zu treiben.
Im Kern steht Irans Raketenarsenal. Öffentlich zugängliche Einschätzungen reichen – je nach Quelle und Zeitpunkt – von „über 3.000 ballistischen Raketen“ insgesamt bis zu deutlich niedrigeren Zahlen bei „einsatzbereiten“ Beständen nach den jüngsten militärischen Verlusten. Verlässlich lässt sich sagen: Der Iran verfügt über ein breites Spektrum an ballistischen Raketen kurzer und mittlerer Reichweite (von der Fateh-Familie bis zu Systemen wie Shahab-3/Ghadr/Emad/Sejjil/Khorramshahr), die US-Stützpunkte in der Region, Partnerstaaten und Israel bedrohen können – und er kann diese Waffen in Salven einsetzen, aus mobilen Abschussfahrzeugen heraus und teils aus gehärteten, unterirdischen Anlagen. Entscheidend ist dabei weniger „die eine Wunderwaffe“, sondern die Masse, die Verteilung über viele Standorte und die Möglichkeit, Abwehrsysteme durch gleichzeitige Angriffe zu sättigen.
Dazu kommt ein zweites Feld, das militärisch und politisch fast noch wirkmächtiger ist: Drohnen und Marschflugkörper. Iran hat über Jahre ein großes UAV-Ökosystem aufgebaut – von Aufklärungs- und Kampfdrohnen (z. B. Mohajer-6, Shahed-129) bis zu „Loitering Munitions“ wie Shahed-136/131, die in Schwärmen eingesetzt werden können. Exakte Stückzahlen je Modell sind öffentlich kaum sauber belegbar; seriöse Quellen arbeiten hier meist mit Kategorien („tausende“ bzw. „sehr große Bestände“) statt präziser Inventarlisten. Für die Verteidiger zählt am Ende der Effekt: viele, relativ günstige Flugkörper zwingen zu dauerhaftem Abwehrfeuer, binden Jagdflugzeuge, Radar und Patriot-/Aegis-Ressourcen – und erhöhen das Risiko, dass bei einer langen Kampagne einzelne Durchbrüche gelingen.
Das strategische Druckmittel, das über Militärlogik hinausgeht, ist jedoch die Straße von Hormus. Hier muss Teheran keinen US-Träger versenken, um Wirkung zu erzielen: Schon eine anhaltende Störung durch Minenrisiko, Drohnen, Küstenraketen, Schnellboote und sporadische Angriffe kann Versicherungen verteuern, Reedereien abschrecken und Märkte nervös machen. Und Hormus ist nicht „nur irgendeine Meerenge“: Nach Analysen der US-Energiebehörde liefen 2024 bzw. im ersten Quartal 2025 mehr als ein Viertel des weltweiten seegestützten Ölhandels und etwa ein Fünftel des globalen Öl- und Ölproduktverbrauchs durch diese Passage; zudem transitiert rund ein Fünftel des globalen LNG-Handels dort – vor allem aus Katar Richtung Asien. Genau deshalb ist Hormus das politische Hebel-Werkzeug schlechthin: Jede ernsthafte, längere Störung trifft zuerst die Energiepreise – und damit Regierungen weit über die Region hinaus.

Regimewechsel oder Chaos? Das ungelöste Endproblem
Die entscheidende Frage bleibt politischer Natur. Ein Regimewechsel lässt sich aus der Luft kaum erzwingen. Selbst eine Ausschaltung der Führung könnte stattdessen zu einer Machtübernahme durch die Revolutionsgarden führen.
Alternativ droht eine Spaltung staatlicher Strukturen. Sollten Teile des Militärs überlaufen, während andere loyal bleiben, könnte ein inneriranischer Konflikt entstehen — ein Szenario, das langfristig an Entwicklungen wie den syrischen Bürgerkrieg erinnern würde.
Ein amerikanischer Bodeneinsatz gilt dabei als praktisch ausgeschlossen. Ohne ihn bleibt jedoch jede politische Neuordnung unsicher.
Das Trump-Risiko: Warum ein Angriff ihn innenpolitisch auch die Macht kosten kann
So schlüssig der militärische Aufmarsch als Vorbereitung einer mehrwöchigen Kampagne wirkt, so zwingend ist eine zweite Frage, die in Washington mindestens ebenso laut gestellt werden dürfte: Was, wenn ein Angriff den Gegner nicht nur schwächt, sondern den Ölpreis explodieren lässt — und damit Trump selbst politisch zu Fall bringt?
Denn während außenpolitisch ein Ultimatum gesetzt wird, gerät Trump innenpolitisch zugleich in eine heikle Lage. Nach einer schweren Niederlage vor dem Supreme Court – eine Entscheidung, die seine zentrale Notfall-Zollpolitik als rechtswidrig stoppte und dabei ausgerechnet auch von ihm selbst ernannte Richter gegen ihn stellte – steht sein politisches Machtmodell unter Druck. Ein Präsident, der vor den Zwischenwahlen als unantastbar erscheinen wollte, wirkt plötzlich verwundbar. Und genau in diese Phase fällt die Iran-Eskalation.
Die Gefahr für Trump liegt dabei nicht nur in der militärischen Unwägbarkeit eines Krieges, sondern in der Reaktion der amerikanischen Bevölkerung und im Risiko eines wirtschaftlichen Schocks. Mehrere aktuelle Umfragen deuten darauf hin, dass eine neue amerikanische Beteiligung an einer Iran-Eskalation in der US-Bevölkerung klar unpopulär wäre – selbst dann, wenn das iranische Regime Demonstranten töten würde.
Das eigentliche Damoklesschwert heißt jedoch Hormus. Denn Teheran muss nicht die amerikanische Luftüberlegenheit brechen, um Trump zu schaden. Es genügt, die empfindlichste Stelle amerikanischer Innenpolitik zu treffen: die Preise an der Zapfsäule. Über die Straße von Hormus läuft ein erheblicher Teil des globalen Öltransports. Jede längere Blockade oder selbst eine nachhaltige Störung kann die Ölpreise nach oben treiben. Schon die bloße Drohung eines US-Schlags und iranische Militärübungen, die Hormus teilweise beeinträchtigten, ließen den Brent-Preis spürbar anziehen.

In einem Wahljahr ist ein Ölpreisschock nicht nur ein wirtschaftliches Problem, sondern ein politisches. Steigende Benzinpreise treffen Millionen Haushalte direkt und täglich. Wenn der Iran in der Lage wäre, die Straße von Hormus länger zu stören, könnte das in den USA eine innenpolitische Kettenreaktion auslösen.
Damit entsteht ein paradoxes Kalkül. Der enorme Aufmarsch wirkt wie die Vorbereitung einer großen Kampagne. Gleichzeitig zwingt die Hormus-Frage Trump zu Vorsicht, weil ein Angriff genau das auslösen könnte, was ihn innenpolitisch zerstört.
Militärisch bereit, politisch ungewiss
Ende Februar 2026 scheint die militärische Vorbereitung abgeschlossen. Die Vereinigten Staaten verfügen über eine Streitmacht, die zu einer mehrwöchigen Luftkampagne gegen den Iran fähig wäre. Diplomatische Lösungen sind formal noch möglich, wirken jedoch zunehmend unrealistisch.
Der Iran kann Widerstand leisten und Schaden verursachen, den militärischen Ausgang jedoch vermutlich nicht entscheiden. Gleichzeitig bleibt völlig offen, was nach einem erfolgreichen Angriff folgen würde und ob sich ein ‚Trump im Dilemma‘ diesen überhaupt traut.
Damit steht die Region vor einem paradoxen Moment: Noch ist kein Krieg begonnen — doch selten zuvor war ein Krieg so vollständig vorbereitet.

